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ENJOY BUSINESS. Marina Landia
 
Enjoy Business ist mein aktuelles Projekt, an dem ich seit 2007 arbeite. Das Projekt kann als ein geplanter und gesteuerter Kommunikationsprozess betrachtet werden, das in verschiedenen Stufen nach einem Zeitplan verläuft. Das Projekt wurde von European School of Management and Technology, Berlin und der Norwegischen “The Performance Theatre Foundation” unterstützt.

Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist eine von mir produzierte Videoreihe, basierend auf Interviews mit den führenden Persönlichkeiten aus der internationalen Wirtschaft
Ich plane für jede Videoserie fünf bis sechs Interviewgespräche, die jeweils eine Stunde dauern. Schon mit der Planung fängt der Kommunikationsprozess an: es wird ein offenes Interviewgespräch vereinbart, ohne vorher die Fragen festzulegen. Ich sage, dass ich eine künstlerische Arbeit mache und dass mich die Person und ihre Gedanken interessieren und weniger das von ihr geführte Unternehmen. Ich reise zu den Interviews allein, ohne Team.  

Die Interviewmethode, die ich dabei anwende, habe ich auf der Basis einer soziologischen Befragungsmethode von Prof. Ulrich Oevermann entwickelt. Diese Methode ermöglicht es mit einem fremden Gesprächspartner ein relativ ungezwungenes Gespräch zu führen. Mein Ziel ist vor allem, den Gesprächsmodus zu erreichen, in dem Menschen nicht mehr im Voraus vorbereitete Statements abgeben, sondern anfangen, während des Gesprächs vor der Kamera nachzudenken. Was mich interessiert sind diese Denkvorgänge. 

Die Denkweisen, die im Rahmen des Wirtschaftssystems durch seine Struktur und seine Zusammenhänge entstehen, nehme ich als so etwas wie die Mentalität des Systems wahr. Natürlich denken meine Interviewpartner nicht nur in wirtschaftsspezifischen Kategorien, nicht nur wirtschaftssystematisch. Sie sind aber die kompetentesten Repräsentanten und Akteure des Systems.

Das gewonnene Videomaterial wird nach einer bestimmten künstlerischen Methode filtriert und editiert: ich schaue mir das Interviewmaterial so lange an, bis ich es fast auswendig kenne. Ab einem bestimmten Moment fühlen sich einige Aussagen anders an, als die restlichen. Sie räsonieren mit den Fragestellungen und Dilemmas, die in der Luft liegen, aber bisher nach meiner Empfindung ohne Antwort geblieben sind. 

Aus den so ausgewählten Sequenzen( 2 bis 3 min. aus dem jeweiligen Interview) konstruiere ich dann eine Auseinandersetzung zwischen den Projektteilnehmern, die in Wirklichkeit nie stattgefunden hat. Meine Annahme ist, dass so eine Diskussion selten stattfindet - vor allem nicht in dieser konzentrierten Form.

ein Ausschnitt aus der Diskussion in “Enjoy Business” Volume 5 

Hommaid Al Schemmarri, CEO, Airspace Mubadala, AUE:
I think the world economic landscape has changed, definitively...but people needed this crisis to understand, that the shift has happened and that the western world right now does not control everything...


Andrew Gould, CEO, Schlumberger, France:
Western governments are facing a crisis in as much, as most of western Europe and the United States have created an entitlement society, that we can no longer afford in front of rising emerging economies - China, India or Brazil. But in a democratic society it’s  extremely difficult to tell people, that they can no longer afford what they are used to...so western government are little schizophrenic in that: they know what has to be done, but politically they can’t do it.

Ewald Nowotny, Governor, National Bank of Austria
Hmm...that’s an interesting perspective. Well, what we have seen  empirically is that the forces of globalisation  - universally - have led to more unequal distribution of incomes. Because those, who are able to compete on the worldwide market - let’s say investment bankers will have huge increase in their income, whereas those who are only working on the local labor market will lose their market power.  Globalisation has winners and losers ... and it’s totally impossible...totally unfair only to look at the side of the winners.


Merit Janow, Chairwoman of Nasdaq Echange, USA:
I don’t want to become depressed...it is very easy to get depressed, when you ask that question objectively. Because politics by necessity responds to pain in a society, that does not want to make these choices if there going to be a generation that is adversely affected and the future generation that may benefit...it is very difficult... Hard choices are not being made, but we are hoping, that we can grow our way out of this problems...and much of the strategies, that are being thought about in advance societies are efforts to do only the minimum necessary while trying to grow...if we could postpone some adjustments now may be we could create some growth momentum....

Dr. Jurgen Grossmann, CEO, RWE, Germany
Well, that may be one of the problems, that at the moment economies define growth as a value in itself. The growth should result from economically sound behaviour. If you finance growth with  deficits, than that growth is artificial.  But let me one another point to my observations: I think at the moment we’re rapidly coming back to an age of interventionism... you know... markets need that cleansing function and if governments stop it from fulfilling that cleansing function -  it’s like...government intervention is like a drop of oil on the surface of water - it spreads everywhere... It’s distorting the markets and I believe the markets is still the best thing that men ever created.

Das fertige Video (Dauer ca. 15 Min.) wird einem professionellen Publikum (einschließlich der Teilnehmer) präsentiert  - als künstlerische Reflexion mit dem Ziel, eine erneute Diskussion auszulösen. Das geschah bis jetzt jährlich auf dem ESMT Annual Forum in Berlin (ESMT ist der Hauptsponsor des Projekts) und wurde dann in verschiedenen Internet Foren weitergeführt. Einige Unternehmen, wie Lufthansa und Daimler, haben das Video für ihre Interne Schulungen und Workshops eingesetzt.
Danach findet es eine Reihe von kommentierten Videovorführungen  für Künstler und für ein breiteres Publikum statt.

Das Video hat in erste Linie eine Kommunikation- und Reflexionsfunktion. Ob das Video als ein eigenständiges Kunstwerk auch außerhalb dieser Vorgänge verstanden werden kann, ist nicht immer klar. Ich stehe oft vor dem Dilemma: entweder die Komplexität stärker zu reduzieren, was zur größeren künstlerischen Schärfe führen würde, oder das Video lediglich als Tool für Diskussionen zu benutzen. Ich tendiere zum Zweiten.  Daraus ergibt sich eine bestimmte Ästhetik, die man möglicherweise auch als künstlerisch bezeichnen kann.


Marina Landia
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